Fiona Barton - The Child

Fiona Barton - The Child

„Als Jude davon träumte, ein Kind zu bekommen, hatte sie im Grunde nie über das Säuglingsalter hinausgedacht, was den Einfluss eines anderen Menschen auf ihr Leben betraf. Sie hatte sich allein auf das Bild von sich als Madonna mit dem Kind konzentriert, bis Emma das Thema selbst forcierte, indem sie ihren Armen entwuchs und sie selbst wurde.“
— Fiona Barton, The Child (Seite 290)
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Klappentext:
Du kannst das Kind begraben - aber die Wahrheit lebt weiter.

Es ist nur eine winzige Nachricht in der Abendzeitung: "Überreste eines Babys auf Baustelle gefunden", unscheinbar und kaum der Rede wert. 

Aber drei Frauen lässt die Notiz keine Ruhe: 
Die eine erinnert sich an das schlimmste Erlebnis ihres Lebens.  Die andere hat Angst, dass ihr dunkelstes Geheimnis enthüllt wird.
Und die dritte begibt sich auf die Jagd nach der Wahrheit. Sie wird die Geschiche des Kindes erzählen.

Some thoughts on ... „The Child“:
„The Child“ ist eines der ersten Bücher, seit Langem, bei dem ich ganz gespannt aufs Erscheinungsdatum gewartet habe. Ende letzten Jahres habe ich „Die Witwe“, das Debüt von Fiona Barton, gelesen und ich war begeistert. Es ist für mich ein außergewöhnliches Buch mit einer ergreifenden Geschichte, das ich jedem nur empfehlen kann. Nach dem Buch war mir klar, Fiona Barton gehört ab sofort zu meinen Lieblingsautoren. Als ich erfuhr, dass ein zweites Buch kurz vor der Veröffentlichung stand war ich bereits in voller Vorfreude es endlich lesen zu können.

Die Geschichte beginnt jeweils mit einem kurzen Einblick in das Leben von vier komplett unterschiedlichen Frauen. In welcher Verbindung diese zueinander stehen wird uns erst sehr viel später verraten. In „Die Witwe“ hatten wir bereits zwei Perspektivenwechsel (Handlungsstränge), jetzt hat Barton noch eine Schüppe draufgelegt. Die schnell aufeinander folgenden Perspektivenwechsel (alle 3-4 Seiten) machen gerade den Anfang der Geschichte sehr abwechslungsreich und spannend und man bekommt Lust auf mehr. Dennoch lässt sich die Autorin bei der Charakterbeschreibung und Handlungsentwicklung sehr viel Zeit. 

Die Sprache ist unkompliziert und sehr zugänglich. Sie ist nicht wirklich beschreibend, weshalb man als Leser viel Raum für Interpretation bekommt. Zu Anfang zergeht der Vorlauf der Geschichte förmlich auf der Zunge. Alles ist so wunderbar natürlich eingeleitet und die Schilderungen der Presse und Ermittlungen wirken auf einen Leihen, wie mich, realistisch und nachvollziehbar.

Fiona Barton überzeugt wie immer mit Menschenkenntnis und einem Gespür für tragische Charaktere. Wer bereits „Die Witwe“ gelesen hat, dem werden in „The Child“ zwei Charaktere bekannt vorkommen: Journalistin, Kate Waters, und DI Bob Sparkes, bilden auch hier wieder ein ungleiches Ermittlerduo. Hinzukommen drei weitere Frauen, Angela: eine leidende Mutter, deren tragische Geschichte ihr gesamtes Leben beeinflusst hat, Emma: ein etwas zweifelhafter Charakter. Und dann ist da noch ihre Mutter Jude: selbstverliebt, immer auf ihren eigenen Vorteil bedacht, labil. Gerade die Beziehung zwischen Mutter Jude und Tochter Emma haben mich an dem Roman fasziniert. Die Beziehung zwischen Angela und ihrem Mann Nick ist ebenfalls sehr komplex. Beide Verhältnisse sind von Geheimnissen zerfressen und von Schuldzuweisungen und Enttäuschungen vernarbt.

Leider haben mir einige bedeutende Dinge an dem zweiten Buch von Fiona Baron nicht gefallen. Zum einen habe ich, nach ihrem Verhalten zu urteilen, nicht ganz abgekauft, dass Jude Anwältin ist. Sie wirkte auf mich weder eloquent noch in irgendeiner Form besonders gebildet. Auch nach ihrem Lebensweg zu urteilen kam mir ihr Beruf von der Autorin wahllos gewählt vor. Zu guter Letzt, was mich leider am meisten gestört hat, ist das ich bereits nach 100 Seiten hinter den Rest der Geschichte gekommen bin. Das führte dazu, dass ich 400 Seiten lang dabei zusehen musste wie die Ermittler in einem schmerzhaften Schneckentempo den Fall lösten. Zu Anfang glaubte ich noch, dass dies von der Autorin beabsichtigt war und sie mich damit auf eine falsche Spur führen wollte. Je mehr ich jedoch las, desto mehr wurde mir bewusst, dass „The Child“ leider nicht dieselben Qualitäten besitzt wie „Die Witwe“. So sehr ich Fiona Bartons hang zu tragischen Figuren mag, so sehr glaube ich auch, dass sie sich von Krimis fernhalten und lieber Dramen schreiben sollte.

Was mir gefiel:
„The Child“ macht zu Beginn sehr viel Spaß zu lesen und die Idee hinter dem Buch ist ebenfalls interessant.

Was mir fehlte:
Leider fehlte mir das komplette Rätselraten. Ich habe den Verlauf der Geschichte bereits nach 100 Seiten erahnt und habe mich dadurch auf den nächsten 400 Seiten gelangweilt.

Mein Gesamteindruck:
Am Anfang sehr stark, gerade wenn man Fan ist von „Die Witwe“! Doch leider kommt das zweite Buch von Fiona Barton nicht im Ansatz ran an ihr grandioses Debüt. Für mich leider nicht empfehlenswert...

Meine Bewertung:

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Sebastian Fitzek - Das Joshua Profil

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