Fatma Aydemir - Ellbogen

Fatma Aydemir - Ellbogen

„Was soll man tun, wenn die Welt einen allein lässt mit all den Hurensöhnen?“
— Fatma Aydemir, Ellbogen (S. 162)
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Klappentext:
Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.

Some thoughts on ... „Ellbogen“:
Eines Samstagnachmittages, beim Stöbern durch die Buchhandlung in unserer Nachbarschaft, hat mir mein Freund „Ellbogen“ zugeschoben und gemeint, dass es was für mich sein könnte. Recht hatte er. Trotz der 3-4 Bücher, die ich mir beim Rausgehen kaufte, habe ich mir das als allererstes zum Lesen geschnappt.

Und ich muss gestehen, es hat meine Erwartungen um Längen übertroffen. Ab der ersten Seite habe ich mich in Fatma Aydemirs erfrischendes Debüt verliebt. Sie ist zweifelsohne ein Schreibtalent. Ihr Stil ist unglaublich modern, rotzfrech, tiefgründig, vulgär und überzeugt außerdem mit trockenem Humor. Ihr Roman „Ellbogen“ hat Zeitgeist und spiegelt die Realität und den inneren Konflikt einer ganzen Generation wider.

Erzählt aus der Ich-Perspektive begleiten wir Hazal beim Erwachsenwerden, dabei ist der Roman so echt und realistisch geschrieben, dass er sich wie ein Tagebuch liest. Hazals Gedanken wirken so lebendig auf Papier, dass man nicht anders kann als mit ihr zu fühlen. Fatma hat ein unglaubliches Gespür für reelle Dialoge und schafft es Hazal zum Leben zu erwecken, wie ich es noch nie bei einem Roman erlebt habe. Ich würde sogar sagen, es geht noch darüber hinaus. Der Leser, oder ich zumindest, ist in dieser Geschichte zu Hazal geworden, mit all ihren Ecken und Kanten. Wie der Klappentext schon sagt „Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.“

Aus Hazals Perspektive betrachtet man die Welt und sein eigenes Land durch andere Augen. Ihre Ansicht auf Deutschland ist die einer Person, die sich in dem Land nicht akzeptiert fühlt und sich selbst als Außenseiterin wahrnimmt, so als würde sie vom Land und seinen Einwohnern, wenn überhaupt, gerade mal geduldet werden. Wobei man sagen muss, dass sie sich in ihrer eigenen Familie fast noch unwohler fühlt. Sie darf nicht sein wer sie ist und hat die Hoffnung auf ein gutes Leben eigentlich bereits mit 17 aufgegeben.

Die politische Situation der Türkei, sowie ein Anschlag und der gescheiterte Putsch aus dem letzten Jahr spielen ebenfalls eine Rolle, was den Roman noch aktueller und echter wirken lassen. Das Ende allerdings kam für mich dann doch überraschend, da ich es als solches gar nicht wahrgenommen habe. Ich hatte mir hier mehr Richtung gewünscht, aber anscheinend, bleibt es wie im echten Leben auch so oft, offen. So kann man eigentlich nur noch darauf hoffen, dass es eine Fortsetzung geben wird.

Was mir gefiel:
So gut wie alles – ich bin von der erste Seite an eingetaucht in Hazals Leben, habe gelacht, gebangt, geflucht und mitgefühlt. 

Was mir fehlte:
Eigentlich absolut nichts, nur am Ende hatte ich dieselbe Schlagkraft erhofft, die der Roman in sich trägt. Aber weil der Rest so fantastisch war, kann ich hier ein Auge zudrücken.

Mein Gesamteindruck:
Ein perfekt geschriebenes Debüt, welches wie aus dem echten Leben gegriffen scheint und in dem man die Kraft und die Macht der Worte spürt. Dieses Buch ist einer der Gründe warum ich es liebe zu lesen.

Meine Bewertung:

Ellbogen: Roman
EUR 20,00
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