Fiona Barton - Die Witwe

Fiona Barton - Die Witwe

„Komischerweise sind die kleinen Lügen die schwersten. Die großen Lügen schlüpfen einem ganz leicht von der Zunge (...). Aber die kleinen (...) hingen klebrig im Mund, waren stotterig und ließen mich erröten.“
— Fiona Barton, Die Witwe (S. 239)
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Klappentext:
Ganz England ist in Aufruhr, als Bella Elliot aus dem Vorgarten ihrer Mutter verschwindet. Wie kann ein kleines Mädchen im beschaulichen Southampton einfach so verloren gehen? 
Bellas Mutter will nicht glauben, dass ihre kleine Tochter womöglich tot ist. Der mit den Ermittlungen betraute Detektive Intendant Bob Sparkes kommt schließlich dem Lieferkurier Glen Taylor auf die Spur. Nächtelang sitzt Glen Taylor am Computer, treibt sich in Pädophilen-Foren herum und bunkert kinderpornographische Bilder. Für die Medien ist er der Täter. Wochenlang kampieren die Journalisten vor dem hübschen Häuschen, das Glen zusammen mit seiner Frau Jean bewohnt. Die Journalistin Kate Waters ist extra auf Jean angesetzt, um eine Exklusivgeschichte zu bekommen: Wie fühlt man sich als Frau eines mutmaßlichen Täters? Jean bleibt bei ihrem Mann, schließlich hat sie geschworen, zu ihm zu stehen, in guten wie in schlechten Zeiten. Dann stirbt Glen. Doch vier Menschen lässt der Fall Bella Elliot nicht los: die Mutter, den Polizisten, die Journalistin und die Witwe…

Some thoughts on ... „Die Witwe“:
Ich muss gestehen, dass ich „Die Witwe“ fast nur gekauft habe, weil mir das Cover so unglaublich gut gefallen hat. Die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken sprach eher in Rätseln und den Klappentext hatte ich mir in der Eile nicht durchlesen können. Dennoch war ich fasziniert und die Unterzeile auf dem Titel „Ein liebender Ehemann oder ein kaltblütiger Mörder …  Was weiß sie wirklich?“ hat mich dann überzeugt zuzugreifen. Jedoch habe ich so ein fantastisches Leseerlebnis gar nicht zu hoffen gewagt.

Als Einstieg in die Geschichte erhebt die Autorin das Wort an die Leser und bekennt in einer fast schon leidenschaftlichen Ansprache den Grund dafür, wieso sie die Idee der Protagonistin so sehr faszinierte, dass sie ein Buch darüber schreiben musste. Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Autor einem im Voraus bereits das Konzept zu seinem Krimi erklärt, aber von Fiona Barton ist es ein perfekter Schachzug, denn jetzt will der Leser erst recht mehr erfahren. Der Spannungsbogen ist somit bereits ganz oben, bevor man auch nur ein Wort gelesen hat.

Auf den nächsten 400 Seiten breitet die Autorin dann eine konzeptionell so starke und schaurige Geschichte aus, die man kaum wagt aus der Hand zu legen. Ein Paradebeispiel für Perspektivenwechsel und Zeitsprünge, ist „Die Witwe“ ein durchweg fesselnder Krimi, bei dem der Leser kein einziges Mal den Faden verliert. Stattdessen begibt er sich auf eine spannende und schaurige Reise durch eine Vielzahl von Handlungssträngen, die so ausführlich und realistisch beschrieben werden, dass sie genauso in der realen Welt hätten passieren können. 

Fiona Barton hat Jean, die Witwe und Protagonistin, so glaubwürdig portraitiert, dass es dem Leser tatsächlich einen Einblick gewährt in die Psyche einer Frau deren Partner das Unaussprechliche getan hat und die von ihm mit in den Abgrund gerissen wird. Subtil und ohne grausame oder ekelige Details läuft einem dennoch bei dem was man liest (oder bei dem was man sich dazu denken muss) ein Schauer über den Rücken. Dieses Buch, und vor allem Jean, wird einen so schnell nicht mehr loslassen.

Was mir gefiel:
Die Dramaturgie und der Erzählstil, sowie die Protagonistin haben mich fasziniert und in den Bann gezogen. Unterfüttert mit vielen Cliffhangern zwischen den Perspektivenwechseln und Zeitsprüngen ist „Die Witwe“ ein absolutes Leseerlebnis.

Was mir fehlte:
Nichts.

Mein Gesamteindruck:
„Die Witwe“ ist eine schaurige und unglaublich real wirkende Geschichte. Konzeptionell und erzählerisch extrem stark umgesetzt, lässt sie einen nicht mehr los lässt. Ein Lesemuss für jeden.

Meine Bewertung:

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