Dave Eggers - Der Circle

Dave Eggers - Der Circle

„Die besten Leute hatten die besten Systeme gemacht, und die besten Systeme hatten Geldmittel eingebracht, unbegrenzte Geldmittel, die das hier möglich machten: den allerbesten Arbeitsplatz. Und es war ganz logisch, dass dem so war, dachte Mae. Wer könnte Utopia bauen, wenn nicht Utopisten?“
— Dave Eggers, Der Circle
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Klappentext:
Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »weisen drei Männer«, die den Konzern leiten – wird die Welt eine bessere. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterne-Köche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles …

Some thoughts on ... „Der Circle“:
Das Buch »Der Circle« wurde im Jahr 2015 veröffentlicht. Ich habe leider erst mit der Verfilmung von diesem Buch erfahren und es mir direkt gekauft. Die 24-jährige Mae ist jung und ambitioniert. Gestern arbeitet sie noch bei den Stadtwerken in ihrer Heimatstadt, den Tag darauf im größten Internetkonzern der Welt und das alles dank ihrer besten Freundin Annie, die zu den 40 wichtigsten Personen des Circles gehört. Im Laufe der Zeit fragt man sich allerdings, wie viel Mae bereit ist für ihren Job aufzugeben.

In die Geschichte kommt man schnell rein, denn die Sprache ist leicht und authentisch, das Thema höchst aktuell und brisant. Mae sprüht vor Neugier und Motivation. Während Mae anfangs etwas holprig in ihrem neuen Job startet und einige Krisengespräche mit ihrem Boss und auch irgendwann mit einen der drei Gründer führt, beugt sie sich irgendwann dieser Kritik und widmet ihr Leben 100 % dem Circle und dieser Community. Der Circle ist nämlich nicht einfach nur ein Job, sondern mit seinem Campus und all den Dingen, die dort geboten werden, ist es für die Arbeitnehmer gar nicht mehr notwendig den Campus zu verlassen und das ist auch so gewünscht. 

Dave Eggers schafft es perfekt die Situation zuzuspitzen und Druck aufzubauen. Es herrscht Konkurrenzkampf. Transparenz scheint wie eine Droge zu sein - vollkommen berauschend. Je mehr Viewer und Likes man hat desto besser. Erreicht Mae einmal nicht die 100% bringt sie das vollständig aus dem Konzept. Werden Erfahrungen, Ideen und Gedanken nicht mit der Community geteilt, wirkt das unsozial. Gleichzeitig wird der Aspekt der steigenden Sicherheit durch Transparenz auch immer mehr in den Raum gestellt. Transparenz wird zum Gruppenzwang, zum Konkurrenzkampf und zum Schubladendenken. Privatsphäre existiert nicht.
Ich konnte das Buch mit seiner Entwicklung zwischendurch einfach nicht mehr weglegen. Die Entwicklungen der einzelnen Beziehungen von Mae zu ihrerm Ex-Freund Mercer, ihren Eltern, ihrer besten Freundin Annie sind nur ein Grund dafür. 
Umso überraschender und absolut unerwartet kam für mich dann das Ende. Ich hätte es mir anders gewünscht, aber das macht die Klasse der Geschichte und des Autors wohl aus.

Was mir gefiel:
Definitiv wie sich Mae entwickelt und auch wie sie sich gegenüber ihren engsten Vertrauten verhält.

Was mir fehlte:
Mae steht zu Beginn sehr unter Druck und beugt sich vollständig der Kritik ihrer Chefs, weil sie Angst hat ihren Job zu verlieren. Meines Erachtens sind die Dinge, die sie sagt aber nicht immer ganz das, was sie tatsächlich denkt. Mir ist nicht klar, wann sich das für sie geändert hat und wie sie so schnell Transparenz für sich als Lösung gesehen hat und dies nicht anzweifelt.

Mein Gesamteindruck:
Ein spannender Roman am Puls der Zeit. Die Diskussion sind provozierend, die Themen Digitalisierung und Transparenz werden vollständig ausgereizt. Ist es unsozial, wenn man Gedanken, Ideen oder Erfahrungen nicht mit der Community teilt oder schafft man hierdurch nur eine Welt mit ständigen Tageslicht? Lesenswert!

Meine Bewertung:

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