Sophia Amoruso - #Girlboss

Sophia Amoruso - #Girlboss

„Mein gesamter Lebensweg ist damit gepflastert, dass ich jeden Ratschlag und jede Empfehlung ausgeschlagen habe.”
— Sophia Amoruso, #Girlboss (S. 230)
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Klappentext:
Sophia Amoruso ist eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen im Modebereich. Doch noch vor acht Jahren war sie eine durchschnittliche junge Frau von 22 Jahren mit einem langweiligen Nebenjob, den sie eigentlich auch nur wegen der Krankenversicherung hatte. Da verkaufte sie erstmal ein Kleidungsstück auf eBay, ohne zu ahnen, dass sie damit den Grundstein für ihre unglaubliche Karriere legen würde: Heute ist Amoruso die millionenschwere Gründerin und Eigentümerin des erfolgreichen Online-Versandshops „Nasty Gal“. Witzig und sehr persönlich beschreibt Sophia Amoruso ihren Weg vom No Name zur „Sexiest CEO alive“ - mit all den Fehlschlägen und Lektionen, die dazugehören. Und sie macht deutlich, wie wichtig es ist, den eigenen Instinkten zu vertrauen, um erfolgreich zu sein!

Some thoughts on ... #Girlboss:
Auf „#Girlboss“ bin ich durch die gleichnamige Netflix Serie gestoßen. Ich fand die Story inspirierend und modern umgesetzt, und da ich sowieso auf Biografien stehe habe ich mir das Buch bestellt. Allerdings muss ich zugeben, wusste ich nicht ganz was mich erwartet. So richtig wurde ich durch den Klappentext nicht schlau und die Serie beginnt stets mit den Worten „Locker, wirklich sehr locker an wahre Begebenheiten angelehnt“. Auf den nächsten 233 Seiten habe ich dann Auszüge aus der etwas weniger hollywoodreifen Lebensgeschichte sowie, ob vom Leser gewollt oder nicht, unzählige Ratschläge von Sophia Amoruso erhalten. Rückblickend betrachtet würde ich „#Girlboss“ wohl als eine Mischung aus Ratgeber und Autobiografie beschreiben.

Mein erster Eindruck war sehr positiv. Humorvoll startet Sophia mit einem tabellarischen Lebenslauf sowie einem Einblick in ihr Leben vor „Nasty Gal“ und bringt mich dabei immer wieder zum Schmunzeln. Bestückt mit vielen Ratschlägen und einer simplen Formel für den Erfolg ist „#Girlboss“ durchweg flüssig und gut geschrieben. Man merkt, Sophia kann sich verkaufen.

Der erste Teil ist durchweg autobiografisch, und was mir hieran gefällt ist, dass die Autorin neben den Dingen mit denen sie sich schmückt (wie ihrem unvergleichbar schnellen Erfolg) auch bereit ist über die unschönen Ereignisse in ihrem Leben zu sprechen (wie ihre zahlreichen dreisten Diebstähle). Letzteres sind Momente in ihrem Leben für die sie sich offensichtlich schämt, was einen als Leser allerdings nicht weiter abschreckt, denn jeder trifft idiotische Entscheidungen als Teenie.

Stilistisch sehr gut gefallen haben mir die 1–2 seitigen #Girlboss-Porträts von Nasty Gal Mitarbeitern oder anderen Persönlichkeiten aus der Branche, die sich durch das gesamte Buch ziehen. Dadurch wurde die Erzählung etwas aufgelockert. Ebenfalls gelungen fand ich die unzähligen Zitate die die gesamte Autobiografie unterstützen. Ich, als großer Freund von Zitaten, fand das ungemein inspirierend und stets auf den Punkt. Zudem trägt Sophia viele ebenfalls zitierwürdige Sätze wie „Im Unwohlsein habe ich mich immer am wohlsten gefühlt“ bei. 

Ab und an wirkt sie allerdings nicht besonders bescheiden auf mich, gerade wenn sie über ihre Karriere und über ihren selbsterfundenen Begriff „Girlboss“ spricht, den sie fast schon wie eine Art Religion (#squad) predigt. Das hat mich dennoch nicht abgeschreckt, weil ich es damit begründete, dass es zur amerikanischen Mentalität gehört, stolz über das zu sprechen was man erreicht hat.

Leider hat man den autobiografischen Teil recht schnell gelesen – zudem wird er lückenhaft erzählt. Im Grunde sind es eher Anekdoten, erzählt in chronologischer Reihenfolge, unterfüttert mit Lektionen und Ratschlägen. Dann, für gefühlt den größten Teil des Buches, wird der Spieß umgedreht und „#Girlboss“ wird zum Ratgeber der hin und wieder biografische Anekdoten von sich gibt. Die Ratschläge beziehen sich dann auf alle beruflichen Lebenslagen, von der perfekten Bewerbung, bis hin zum erfolgreichen Gespräch mit Investoren. An dem Punkt habe ich dann nicht mehr verstanden für wen das Buch eigentlich geschrieben ist – einerseits für Jobeinsteiger, andererseits für Geschäftsführer, wobei ich ultimativ den Eindruck hatte, dass das Buch ein Guide ist wie man der perfekte Arbeitnehmer bei Nasty Gal wird. Viele Sätze wirken wie aus der Unternehmensphilosophie von Nasty Gal kopiert (die ich nicht kenne aber erahne), so als müsse jeder Mitarbeiter diese Ratschläge lesen und befolgen. Sehr zynisch betrachtet, könnte es auch ein Akquise Tool sein für zukünftige Nasty Gal Arbeitnehmer oder #Girlboss-Anhänger.

Was mir gefiel:
Gut gefallen und nützlich fand ich die Finanztipps sowie ihre Herangehensweise an kostenlose Vermarktung. Ihren konstanten Austausch mit ihren Kundinnen fand ich ebenfalls inspirierend. Zudem mochte ich den Ratschlag offen nach dem zu fragen was man will. Gerade als Deutscher ist man von Natur aus doch eher zurückhaltend und scheut sich davor "dreist" nach etwas zu fragen oder gar zu verlangen.

Was mir fehlte:
Ich hätte mir eine detaillierte Autobiografie gewünscht aus der sich der Leser selbst seine Lektionen zieht, stattdessen hätte ich auf die Hälfte an Ratschlägen gerne verzichtet.

Mein Gesamteindruck:
Alles im allem, wer glaubt, dies sei eine Autobiografie die einen schonungslos ehrlichen Einblick in Sophias Leben sowie ihr Unternehmen wirft, den muss ich leider enttäuschen. „#Girlboss“ ist zu 1/3 autobiografisch und zu 2/3 voll mit Lektionen und Ratschlägen für ... ja für wen überhaupt? Nichtsdestotrotz ein paar Dinge konnte ich mitnehmen, aber es ist zweifelsohne keine Pflichtlektüre.

Meine Bewertung:

Paula Hawkins - Into the Water

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Fitzek & Tsokos - Abgeschnitten

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